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Nachruf auf Peter Prybylski

Nachruf auf Peter Prybylski      (Herford im Dezember 2020)

 

Ein begeisterter Flieger ist gegangen

„Peter P“, so nannten ihn seine Vereinskameraden, hat kurz nach seinem
94. Geburtstag seinen letzten Flug angetreten. Für viele Luftsportler – auch über die Grenzen seines „Herforder Vereins für Luftfahrt“ (HVfL) hinaus – ein schmerzlicher Verlust. Peters Begeisterung für den Luftsport, vor allen Dingen seine Leidenschaft, andere daran teilhaben zu lassen, zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben.
Die ersten Jahre in der Fliegerei
In den Jahren des zweiten Weltkrieges lernte er als „Pimpf“ den Umgang mit Schulgleitern und das Fliegen auf den frühen, an fliegende Gartenstühle erinnernden Fluggeräten. Die Piloten hockten auf harten Sitzen, umweht vom Wind, darunter lediglich ein Holzgerüst, das die Flügel und Leitwerke trug.
In Oerlinghausen und im Sauerland erlebte Peter seine ersten kurzen Gleitflüge hangabwärts. Nach der Einberufung zum Reichsarbeitsdienst im Frühjahr 1943 folgte ein Jahr darauf Peters Einsatz in der kämpfenden Truppe, wo er durch Granatsplitter schwer an der Schulter verletzt wurde. Sein langer Weg zur Genesung führte ihn wieder nach Herford. Die Folgen seiner Verwundung ersparten ihm nach der Ankunft der Amerikaner 1945 die Kriegsgefangenschaft. In seinem Tagebuch schrieb der den Satz: „Hurra, die Amerikaner sind da“.

Flugverbot durch die Siegermächte

Nach Ende des Krieges waren Luftsport und private Fliegerei verboten. Eine schwere Zeit für die Flieger begann, die erst viel später enden sollte. Um nicht untätig abzuwarten, gründete Peter im Jahr 1950 mit weiteren Ehemaligen des Herforder Vereins für Luftfahrt zunächst die „Interessengemeinschaft Segelflug“ (IGS). Ein illegaler Akt, aber man wollte vorbereitet sein, wenn es wieder losgehen sollte. Ein Jahr später war es soweit und aus der IGS gründete sich der Herforder Luftfahrtverein erneut. Zwei Männer spielten bei der Neugründung die Hauptrollen: Peter Prybylski und ein bis dahin unbekannter Flüchtling aus Genthin namens Fred Weinholtz, wie Peter Jahrgang 1926.
Beide erwarben die Lehrberechtigung für Segelflugzeugführer und so standen dem wieder auflebenden Verein zwei starke Säulen für die Ausbildung von Flugschülern zur Verfügung. Die erfolgreiche Arbeit der Beiden beschränkte sich schon bald nicht mehr nur auf den eigenen Verein, sondern weitete sich deutlich aus.
Tausende Segelfliegeraspiranten kennen das von Friedrich Hesse begonnene Lehrbuch, das später unter dem Titel „Der Segelflugzeugführer, Aus- und Weiterbildung“ u.a. durch diese beiden Herforder ständig aktuell gehalten wurde. Darüber hinaus verfasste Fred Weinholtz das erste Lehrbuch über den modernen Streckenflug.

Vereinsleben, Musik und Geselligkeit

Peter war nicht nur ein begeisterter Segelflieger sondern liebte die Geselligkeit. So engagierte er sich als Musiker, Fotograf, Filmemacher, Jugendleiter und Chronist der Vereinsaktivitäten. Letzteres führte zum Verfassen der ersten Vereinschroniken am Beginn der 1960er Jahre, es entstand ein handschriftlich verfasstes Werk von mehreren Kilogramm Gewicht. Das im Vereinsjargon „Bibel des HVfL“ betitelte Buch wird bald in die gesamte Geschichte des Vereins Eingang finden.

Peter und die Motorsegler

Schon 1968 erhielt Peter die Lehrberechtigung für Motorsegler, sieben Jahre bevor der HVfL den ersten Eigenen anschaffen konnte. Von da an war diese Variante des Luftsports Peters große Leidenschaft, um die er sich jahrelang intensiv kümmerte. Zwei weitere Motorsegler wurden in den Folgejahren in den Verein eingebracht, immer unter der Regie von Peter.

Aufhören, wenn’s am Schönsten ist

Erst im Alter von 83 Jahren legte Peter den Steuerknüppel aus der Hand. Sein langjähriger Wegbegleiter Fred Weinholtz hielt zum Abschied von der aktiven Fliegerei eine bewegende Laudatio. Wie viele Flugschüler Peter in seinen 47 Jahren als Fluglehrer ausgebildet hat, vermochte er nicht zu sagen. Weit mehr als 10.000 Starts standen am Ende seiner Laufbahn in seinen Flugbüchern.

Im September 2019 konnten Peter und seine Ehefrau Ulla das seltene Fest der Eisernen Hochzeit feiern. Ulla hielt ihrem Peter in all den Jahren stets den Rücken frei und unterstützte seine Leidenschaft für die Fliegerei.

Trauer um einen Kameraden

So schwer es auch fällt, Trauer wäre nicht in Peters Sinne. Es war ihm nach den ersten Anfängen der Fliegerei in den Kriegswirren vergönnt, seine Begeisterung zu leben und zu erleben, seine zahlreichen Schüler zu selbstständigen Piloten auszubilden und eine zweite Heimat in seinem Verein zu finden, dem er bis zuletzt eng verbunden war.
So behalten ihn seine Kameraden in Erinnerung: als fröhlichen, hilfsbereiten, geselligen und verantwortungsvollen Menschen.

Deine Freunde vom Herforder Verein für Luftfahrt.

H.-Henning Blomeyer (Pressewart des HVfL)
in Zusammenarbeit mit Rolf Meierkord (ehemaliger Pressewart des HVfL)